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Mehr Arbeit, weniger Armut: Warum die Erwerbstätigkeit von Müttern Familien stärkt

Stellen Sie sich vor: Es ist 7 Uhr morgens. Die Kinder müssen in den Kindergarten, die Schulranzen sind noch nicht gepackt, und der Terminkalender ist voll. Gleichzeitig schaut die Mutter auf ihr Konto und überlegt: Reicht das Geld dieses Monat wieder? Für viele Familien in Vorarlberg – und besonders für alleinerziehende Mütter – ist das keine theoretische Frage, sondern Alltag.

Eine aktuelle Kurzanalyse aus Baden-Württemberg (2024) zeigt: Die Erwerbstätigkeit von Müttern senkt das Armutsrisiko ihrer Kinder deutlich. Und das gilt nicht nur für Deutschland – die Erkenntnisse sind auch für Vorarlberg hochrelevant. Denn Familienfreundlichkeit bedeutet auch: Müttern (und Vätern!) den Einstieg oder Wiedereinstieg in den Beruf zu erleichtern – und damit die wirtschaftliche Sicherheit der ganzen Familie zu stärken.

Die Fakten: Wie Erwerbsarbeit Armut verhindert

Die Studie des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg hat 1,1 Millionen erwerbsfähige Mütter untersucht. Die Ergebnisse sind klar:

  • 78 % der Mütter sind erwerbstätig – die meisten in Teilzeit (75 %).
  • Je mehr Stunden eine Mutter arbeitet, desto geringer ist das Armutsrisiko ihrer Kinder.
    • Bei alleinerziehenden Müttern sinkt die Armutsgefährdung ihrer Kinder um bis zu 50 %, wenn die Mutter in Vollzeit arbeitet.
    • Selbst eine Teilzeitstelle mit mehr als 24 Wochenstunden reduziert das Risiko um 33 % (im Vergleich zu nicht erwerbstätigen Müttern).
    • In Paarfamilien wirkt sich die Erwerbstätigkeit der Mutter zwar weniger stark aus – aber auch hier gilt: Jede Stunde zählt. Wenn der Vater in Vollzeit arbeitet und die Mutter in Teilzeit (24–36 Stunden), liegt die Armutsgefährdung der Kinder bei nur 2,5 % – bei Nichterwerbstätigkeit der Mutter bei 25,5 %.

Besonders betroffen: Alleinerziehende und große Familien

  • Alleinerziehende Mütter ohne Job: Fast 72 % ihrer Kinder sind armutsgefährdet.
  • Familien mit drei oder mehr Kindern: Hier sind nur 58 % der Mütter erwerbstätig – und damit deutlich seltener als in Familien mit ein oder zwei Kindern.
  • Mütter mit Einwanderungsgeschichte: Sie sind seltener erwerbstätig (60 %), arbeiten aber häufiger in Vollzeit als Mütter ohne Migrationshintergrund.

Was bedeutet das für Vorarlberg?

Die Studie bestätigt: Familienfreundlichkeit ist kein Luxus – sie ist ein Armutspräventionsprogramm. Und sie funktioniert am besten, wenn sie alle Lebensrealitäten berücksichtigt:

  • Betreuungsangebote ausbauen: Je jünger das Kind, desto seltener sind Mütter erwerbstätig. Nur 10 % der Mütter mit einem Baby unter einem Jahr arbeiten.
  • Teilzeit nicht nur ermöglichen, sondern attraktiv machen: Viele Mütter arbeiten in Mini-Jobs (1–24 Stunden) – doch genau hier ist das Armutsrisiko am höchsten. Ab 24 Stunden pro Woche sinkt die Armutsgefährdung deutlich.
  • Väter einbinden: In 54 % der Paarfamilien arbeitet der Vater in Vollzeit und die Mutter in Teilzeit. Nur 15 % der Paare teilen sich die Arbeitszeit gleichmäßig. Familienfreundlichkeit muss beide Eltern im Blick haben – etwa durch Väterzeit-Modelle oder betriebliche Lösungen für geteilte Care-Arbeit.
  • Geringqualifizierte und Mütter mit Migrationshintergrund gezielt fördern: Bildung senkt das Armutsrisiko. Mütter mit höherem Bildungsabschluss haben seltener armutsgefährdete Kinder.
  • Wirtschaftliche Absicherung für Alleinerziehende: 72 % Armutsgefährdung bei nicht erwerbstätigen Alleinerziehenden sind alarmierend.

Gute Beispiele aus der Praxis: Was Gemeinden schon tun

In Vorarlberg setzen viele familieplus-Gemeinden bereits auf maßgeschneiderte Lösungen:

  • Flexible Betreuungszeiten in Kindergärten (z. B. mit Randzeitenmodellen für Schichtarbeiter:innen).
  • Ferienbetreuung, damit Eltern auch in unregelmäßigen Berufen arbeiten können.

Fazit: Familienfreundlichkeit ist Armutsprävention

Die Studie beweist: Die Erwerbstätigkeit von Müttern ist ein Schlüssel gegen Kinderarmut. Doch sie darf nicht nur eine Frage der individuellen Leistung sein – sondern eine gemeinsame Aufgabe von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Quellen: Die Daten basieren auf der Kurzanalyse „Erwerbstätigkeit von Müttern“ (2024) des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg (FaFo) im Auftrag des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Integration. Die vollständige Studie finden Sie hier.