Stellen Sie sich vor, Ihr Kind sitzt lachend vor dem Tablet, spielt ein buntes Online-Spiel oder chattet mit Freunden. Eine alltägliche Szene in den meisten Familien. Doch was, wenn hinter der fröhlichen Fassade eine unsichtbare Gefahr lauert? Eine Gefahr, die tiefe seelische Wunden hinterlassen kann und für viele Eltern ein Albtraum ist: sexuelle Gewalt im Internet.
Die digitale Welt ist ein fester Bestandteil des Lebens unserer Kinder geworden. Sie bietet unzählige Möglichkeiten zum Lernen, zur Unterhaltung und zur sozialen Interaktion. Doch diese Welt hat auch ihre Schattenseiten. Eine aktuelle Studie von Saferinternet.at aus dem Jahr 2025 zeichnet ein alarmierendes Bild: Fast 40 Prozent der Jugendlichen in Österreich waren bereits mit sexueller Belästigung im Internet konfrontiert. Bei den 15- bis 17-Jährigen ist es sogar mehr als die Hälfte. [1] Was als harmloser Chat beginnt, kann sich schnell zu einem Albtraum entwickeln – von anzüglichen Kommentaren über die ungewollte Zusendung von Nacktbildern bis hin zu Erpressung, bekannt als Sextortion.
„Anzügliche Kommentare, intime Fragen oder die Aufforderung, Nacktbilder zu schicken: 38 Prozent der Jugendlichen waren bereits zumindest einmal mit Formen sexueller Belästigung im Internet konfrontiert.“ [1]
Die Täter, oft unter falschen Identitäten agierend, nutzen die Anonymität des Internets, um das Vertrauen von Kindern und Jugendlichen zu erschleichen. Dieses sogenannte Cybergrooming ist eine perfide Strategie, um die Opfer zu sexuellen Handlungen zu drängen oder sie mit intimen Aufnahmen zu erpressen. Die psychischen Folgen für die Betroffenen sind verheerend und reichen von Angstzuständen und Depressionen bis hin zu sozialem Rückzug.
Eine neue Anlaufstelle für den digitalen Kinderschutz
Doch Eltern und Fachkräfte sind diesen Gefahren nicht schutzlos ausgeliefert. Um sie im Kampf gegen sexuelle Gewalt im Internet zu unterstützen, wurde die Safer-Internet-Fachstelle digitaler Kinderschutz ins Leben gerufen. Diese Initiative des Österreichischen Instituts für angewandte Telekommunikation (ÖIAT), finanziert durch das Bundeskanzleramt, bietet eine breite Palette an kostenlosen Unterstützungsangeboten.
Die Fachstelle richtet sich gezielt an Personen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten – von Pädagog:innen über Sozialarbeiter:innen bis hin zu Mitarbeiter:innen in Sportvereinen. Ihr Ziel ist es, Handlungssicherheit zu vermitteln und präventive Maßnahmen zu stärken.
Die kostenlosen Angebote im Überblick
| Angebot | Beschreibung |
| Beratung | Individuelle Beratung zu medienpädagogischen und rechtlichen Fragen rund um sexuelle Gewalt im Internet. |
| Fallbesprechungen | Kostenlose, vertrauliche Besprechung konkreter Fälle aus der Praxis zur Stärkung der Handlungssicherheit. |
| Fortbildungen | Maßgeschneiderte Rufseminare und Webinare zu Themen wie Cybergrooming, Sexting und digitalen Aspekten in Kinderschutzkonzepten. |
| Materialien | Umfassende Sammlung an Leitfäden, Checklisten, Postern und Flyern für die Präventionsarbeit. |
| Präventionsworkshops | Interaktive Workshops für Kinder und Jugendliche zur Sensibilisierung und Stärkung ihrer Medienkompetenz. |
Was können Eltern und Fachkräfte tun?
Der Schutz unserer Kinder im Netz beginnt im eigenen Zuhause. Hier sind einige wichtige Schritte, die Sie als Eltern unternehmen können:
- Sprechen Sie offen mit Ihrem Kind: Schaffen Sie eine vertrauensvolle Atmosphäre, in der Ihr Kind über seine Online-Erfahrungen sprechen kann, ohne Angst vor Vorwürfen haben zu müssen.
- Stärken Sie das Selbstbewusstsein Ihres Kindes: Ein gesundes Selbstwertgefühl hilft Kindern, Grenzen zu setzen und „Nein“ zu sagen.
- Informieren Sie sich: Nutzen Sie die Angebote der Safer-Internet-Fachstelle und anderer Organisationen, um sich über die aktuellen Gefahren und Schutzmaßnahmen zu informieren.
- Seien Sie ein Vorbild: Zeigen Sie Ihrem Kind einen verantwortungsvollen Umgang mit persönlichen Daten und sozialen Medien.
Die digitale Welt ist ein fester Bestandteil unseres Lebens. Es liegt an uns, sie für unsere Kinder zu einem sicheren Ort zu machen. Die Safer-Internet-Fachstelle digitaler Kinderschutz ist dabei ein wichtiger Verbündeter.
Zögern Sie nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Besuchen Sie die Website www.digitalerkinderschutz.at, um mehr über die kostenlosen Angebote zu erfahren und gemeinsam für einen besseren Schutz unserer Kinder im Netz zu sorgen.
Referenzen
[1] Saferinternet.at (2025). Neue Studie: Jugendliche von sexueller Belästigung im Internet betroffen. Verfügbar unter: https://www.saferinternet.at/news-detail/neue-studie-jugendliche-von-sexueller-belaestigung-im-internet-betroffen

