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Was Jugendlichen 2025 wirklich wichtig ist – und was Gemeinden daraus lernen können

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Foto von Vitaly Gariev auf Unsplash

Stellen Sie sich vor: Es ist 17 Uhr, die Schule ist aus, und eine Gruppe Jugendlicher trifft sich am Dorfplatz. Die einen streamen Musik, die anderen kicken einen Fußball, wieder andere sitzen einfach nur zusammen und quatschen. Was geht diesen jungen Menschen durch den Kopf? Was ist ihnen wichtig? Und wie können Gemeinden sie dabei unterstützen, ihr Leben selbstbewusst und zufrieden zu gestalten

Die aktuelle Studie „Lebenswelten 2025“ der Pädagogischen Hochschulen Österreichs gibt darauf Antworten. Über 15.000 Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren wurden befragt – und die Ergebnisse zeigen: Trotz Krisen und Unsicherheiten blicken die meisten optimistisch in die Zukunft. Doch sie stehen auch unter Druck – und brauchen Räume, in denen sie sich entfalten können.

„Mit wem kann ich reden? Wer steht zu mir?“ – Für Jugendliche sind Familie und Freund:innen die wichtigsten Anker. Fast 80 % sind sehr zufrieden mit ihrem Freundeskreis, und 76 % besprechen ihre Sorgen mit Freund:innen. Doch: 11 % der Jugendlichen haben niemanden, dem sie sich anvertrauen können. Besonders betroffen sind junge Männer, Jugendliche aus benachteiligten Familien und solche mit diverser Geschlechtsidentität.

Was Gemeinden tun können:

  • Sichere Treffpunkte schaffen: Jugendzentren, Sportplätze oder „Chill-Zonen“ in der Natur, wo junge Menschen unkompliziert zusammenkommen können.
  • Niedrigschwellige Angebote: Offene Gesprächsrunden, z. B. in Zusammenarbeit mit Schulen oder Vereinen, wo Jugendliche über ihre Probleme sprechen können – ohne Druck.
  • Buddy-Programme: Ältere Jugendliche oder junge Erwachsene begleiten Neueinsteiger:innen in der Gemeinde, z. B. bei Vereinsaktivitäten oder Freizeitprojekten.

„Ich will einen sicheren Job – aber auch Zeit für mich.“ Für Jugendliche stehen drei Dinge im Berufsleben im Vordergrund:

  • Ein sicherer Arbeitsplatz (75 %),
  • genug Freizeit (65 %),
  • Vereinbarkeit von Beruf und Familie (64 %).

Gleichzeitig ist der Druck zur Selbstoptimierung gestiegen: Im Vergleich zu 2020 legen mehr Jugendliche Wert auf hohes Einkommen (von 34 % auf 51 %) und Aufstiegsmöglichkeiten (von 43 % auf 51 %). Idealistische Ziele wie „etwas für die Gesellschaft tun“ rücken in den Hintergrund.

Was Gemeinden tun können:

  • Praktische Berufsorientierung: Kooperationen mit Betrieben, um Jugendlichen frühzeitig Einblicke in verschiedene Jobs zu geben – und ihnen zu zeigen, dass auch handwerkliche oder soziale Berufe Zukunft haben.
  • Flexible Ausbildungsmodelle: Teilzeit-Lehren oder duale Studiengänge fördern, die Familie, Freizeit und Beruf besser vereinbar machen.
  • Räume für Austausch: Veranstaltungen, bei denen junge Menschen mit lokalen Unternehmer:innen oder Berufstätigen ins Gespräch kommen – z. B. bei „Berufs-Speed-Datings“ oder in lockeren Stammtisch-Formaten.

„Ich bin oft gereizt, habe Rückenschmerzen oder kann nicht schlafen.“ Das gesundheitliche Wohlbefinden der Jugendlichen hat sich seit 2020 verschlechtert:

  • 36 % sind dauernd oder oft schlecht gelaunt,
  • 33 % haben Rückenschmerzen,
  • 31 % leiden unter Einschlafproblemen.

Besonders betroffen sind junge Frauen und diversgeschlechtliche Jugendliche. Die Studie zeigt: Wer unter sozialer Ungleichheit oder Diskriminierung leidet, hat ein höheres Risiko für psychische und körperliche Beschwerden.

Was Gemeinden tun können:

  • Bewegungsangebote: Kostenlose Sportkurse, z. B. Yoga, Fußball oder Klettern, die auch für Jugendliche mit wenig Geld zugänglich sind.
  • Psychische Gesundheit enttabuisieren: Workshops in Schulen oder Jugendzentren, die über Stressbewältigung, Achtsamkeit oder den Umgang mit Ängsten informieren.
  • Anonyme Beratung: Online- oder Telefonhotlines, bei denen Jugendliche sich Hilfe holen können – ohne Angst vor Stigmatisierung.

„Was mache ich, wenn ich frei habe?“ Jugendliche verbringen ihre Freizeit vor allem:

  • Digital: 70 % hören bewusst Musik, 68 % nutzen Social Media.
  • Draußen: 30 % hängen gerne outside ab, 35 % treiben Sport.
  • Kreativ: 14 % basteln, musizieren oder gestalten etwas.

Doch: Vereine und Jugendzentren erreichen nicht alle. Besonders Jugendliche aus benachteiligten Familien oder mit Migrationshintergrund nutzen diese Angebote seltener.

Was Gemeinden tun können:

  • Vielfältige Freizeitangebote: Von Graffiti-Workshops über Gaming-Treffs bis zu Naturerlebnistagen – Hauptsache, es ist für jeden etwas dabei.
  • Kostenlose Events: Konzerte, Kinoabende oder Sportturniere, die ohne Eintrittsgeld stattfinden.
  • Jugendliche einbinden: Sie selbst entscheiden lassen, was sie brauchen – z. B. durch Jugendräte oder partizipative Projektplanung.

„Politik ist wichtig, aber ich fühle mich nicht gehört.“ Zwar finden 82 % der Jugendlichen, dass Wählen eine Bürger:innenpflicht ist. Doch nur 42 % sind zufrieden mit der Demokratie in Österreich. Viele haben das Gefühl, dass Politiker:innen sich nicht für ihre Anliegen interessieren.

Was Gemeinden tun können:

  • Jugendgemeinderäte stärken: Echte Mitbestimmung bei Themen, die junge Menschen betreffen – z. B. bei der Gestaltung von Parks, Radwegen oder Kulturangeboten.
  • Politik verständlich machen: Info-Veranstaltungen mit jungen Gemeindevertreter:innen, die auf Augenhöhe erklären, wie Entscheidungen entstehen.
  • Projekte für Demokratie: Initiativen, bei denen Jugendliche selbst Ideen entwickeln und umsetzen – z. B. ein „Jugendforum“ zu lokalen Themen wie Klimaschutz oder Mobilität.

Die Studie zeigt: Jugendliche in Österreich sind optimistisch, engagiert und voller Ideen. Gleichzeitig kämpfen sie mit Druck, Unsicherheit und sozialer Ungleichheit. Gemeinden können hier einen Unterschied machen – indem sie:

  • Sichere Orte schaffen, an denen Jugendliche sich wohlfühlen,
  • Vielfältige Angebote machen, die alle erreichen,
  • Zuhören und ernst nehmen, was junge Menschen bewegt.

Denn: Eine familienfreundliche Gemeinde ist auch eine jugendfreundliche Gemeinde. Und wer heute in Jugendliche investiert, sichert die Zukunft von morgen.

Quellen und weiterführende Links: