Die Zahl der Einpersonenhaushalte steigt kontinuierlich an. In Österreich lebten 2024 bereits 1,6 Millionen Menschenallein – ein Anstieg um 430.000 in den letzten 20 Jahren¹. Besonders betroffen sind ältere Menschen: Ein Drittel der Alleinlebenden ist über 64 Jahre alt. Was bedeutet das für das tägliche Leben, soziale Kontakte und die Zukunftsperspektiven dieser Menschen? Eine aktuelle Studie aus Dornbirn hat sich mit der Lebenssituation älterer Singelhaushalte befasst und liefert wertvolle Erkenntnisse.
Warum leben immer mehr Menschen allein?
Einpersonenhaushalte sind keine Seltenheit mehr. 2024 betrug ihr Anteil 17,8 % der Gesamtbevölkerung, während er 2004 noch bei 14,6 % lag¹. Besonders Frauen ab 65 Jahren sind überdurchschnittlich oft betroffen. Die Gründe für das Alleinleben sind vielfältig: Scheidungen, das Ableben eines Partners oder bewusste Entscheidungen für ein unabhängiges Leben.
Die Dornbirn-Studie zeigt, dass viele ältere Alleinlebende die positiven Aspekte ihres Wohnmodells betonen: Freiheit, Selbstbestimmung und die Möglichkeit, den Alltag nach eigenen Wünschen zu gestalten². Doch es gibt auch Schattenseiten.
Einsamkeit als Herausforderung
Während manche ihr Leben allein genießen, berichten andere über ein starkes Gefühl der Isolation, vor allem in bestimmten Lebensphasen wie der Adventszeit. Besonders Frauen sind häufiger von Einsamkeit betroffen. Die Gründe sind vielfältig:
- Soziale Netzwerke schrumpfen mit zunehmendem Alter, weil Freunde oder Verwandte wegziehen oder versterben.
- Spontane soziale Kontakte fehlen oft, da Treffen mit Freunden oder Familie meist geplant werden müssen.
- Körperliche Einschränkungen machen es schwieriger, aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen².
Soziale Unterstützung – Wer hilft, wenn es nötig ist?
Ein überraschender Befund der Dornbirn-Studie ist, dass viele ältere Alleinlebende Unterstützung im Alltag erhalten. Über die Hälfte der Befragten bekommt regelmäßig Hilfe, etwa beim Einkaufen oder im Haushalt. Diese Unterstützung kommt oft von:
- Familienmitgliedern (z. B. Kindern oder Geschwistern)
- Freunden und Nachbarn
- Freiwilligenorganisationen².
Allerdings gibt es auch viele, die sich schwertun, um Hilfe zu bitten oder gar keine Unterstützungsnetzwerke haben.
Gesundheit und Vorsorge
Die Mehrheit der Studienteilnehmer glaubt, dass sie ihre Gesundheit aktiv beeinflussen können. Besonders beliebt sind körperliche Aktivitäten, von Yoga und Wandern bis hin zu Fitnesskursen. Auch mentale Gesundheit spielt eine Rolle – viele setzen auf positives Denken und Selbstmotivation.
Allerdings zeigt sich, dass nur wenige ältere Alleinlebende finanzielle oder pflegerische Vorsorgemaßnahmen getroffen haben. Patient:innenverfügungen oder detaillierte Pläne für die Zukunft sind selten, oft aus Unwissenheit oder finanziellen Gründen².
Wie sehen die Zukunftsperspektiven aus?
Nicht alle älteren Menschen haben einen konkreten Plan für ihre Wohnsituation. Während einige in barrierefreie Wohnungen investiert haben, sind andere unsicher, wie sie in Zukunft leben möchten. Viele fürchten hohe Miet- und Immobilienpreise, die einen Umzug erschweren. Der Gedanke an Pflegeheime stößt bei einigen auf Ablehnung, während andere sich alternative Wohnformen, etwa Senioren-WGs, wünschen².
Was kann helfen?
Um die Lebensqualität älterer Singelhaushalte zu verbessern, sind soziale Angebote und Unterstützungsstrukturen entscheidend. Programme wie Community Nursing, das in Dornbirn angeboten wird, leisten bereits wertvolle Arbeit. Dort gibt es:
- Bewegungs- und Gesundheitskurse
- Soziale Veranstaltungen und Gesprächsangebote
- Beratung zu Pflegethemen².
Die Nachfrage nach solchen Angeboten ist groß, ebenso wie der Wunsch nach niederschwelligen sozialen Aktivitäten, etwa gemeinsamen Spiel- oder Kaffeerunden.
Fazit: Zwischen Selbstbestimmung und Unterstützungsbedarf
Das Leben im Singelhaushalt kann eine bereichernde Erfahrung sein, bringt aber auch Herausforderungen mit sich. Während viele die Freiheit genießen, ist soziale Isolation für manche ein großes Problem. Die steigende Zahl der Alleinlebenden erfordert gezielte Maßnahmen, um Einsamkeit zu reduzieren und Unterstützung im Alltag zugänglich zu machen.
Ein zentraler Punkt bleibt die Frage der Vorsorge: Wer jetzt darüber nachdenkt, wie er im Alter leben möchte, kann später selbstbestimmter entscheiden. Ob durch soziale Netzwerke, Community-Angebote oder finanzielle Absicherung – eine gute Vorbereitung kann den Unterschied machen.
Quellen